Was sind Aktien und Derivate (*)?
Bevor wir uns mit Optionen befassen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Grundbausteine – denn Optionen bauen auf ihnen auf.
Eine Aktie ist ein kleines Stück eines Unternehmens. Wer eine Aktie besitzt, ist anteilig Miteigentümer dieses Unternehmens. An der Börse werden täglich Millionen solcher Anteile ge- und verkauft – manche davon in riesigen Mengen.
| Alltagsbeispiel: Die Pizzeria Stellen Sie sich vor, eine Pizzeria braucht Geld für einen zweiten Standort. Sie teilt das Unternehmen in 100 gleiche Stücke (Aktien) auf und verkauft sie. Wer 10 Stücke kauft, besitzt 10 % der Pizzeria – und profitiert, wenn das Geschäft gut läuft. |
Auf diesen Aktien aufbauend gibt es sogenannte Derivate (*) – und hier wird es interessant für fortgeschrittenere Anleger.
Ein Derivat ist ein Vertrag zwischen zwei oder mehr Parteien, dessen Wert sich von einem anderen Wertpapier ableitet – zum Beispiel von einer Aktie oder einem Index. Das Wort „Derivat“ kommt vom lateinischen derivare – ableiten. Der Vertrag selbst hat also keinen eigenen inneren Wert, sondern hängt vom Wert des zugrunde liegenden Wertpapiers ab.
Die zwei bekanntesten Derivate (*) an der Börse sind Optionen und Futures. In diesem Leitfaden konzentrieren wir uns auf Optionen. Futures sind etwas einfacher zu verstehen, bieten aber weniger Flexibilität und gehen oft mit höherem Risiko einher.
Was ist eine Option?
Eine Option ist ein Vertrag, der dem Käufer das Recht – aber nicht die Pflicht – gibt, eine Aktie zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Dieses Recht gilt bis zu einem bestimmten Datum: dem Verfallsdatum.
Das ist der entscheidende Unterschied zu einem normalen Kauf: Sie müssen nichts tun. Sie dürfen – aber müssen nicht.
| Merksatz Eine Option gibt Ihnen das RECHT, aber nicht die PFLICHT zu handeln. Sie entscheiden, ob Sie sie nutzen – der Markt zwingt Sie zu nichts. |
Jede Option hat ein Verfallsdatum. Bis zu diesem Datum können Sie entscheiden, ob Sie Ihr Recht ausüben. Sie können auch schon vor dem Verfallsdatum handeln – zum Beispiel, wenn der Kurs bereits früher in die gewünschte Richtung läuft.
Das Grundstücks-Beispiel: Optionen im Alltag
Optionen klingen zunächst abstrakt – aber sie existieren auch außerhalb der Börse. Ein klassisches Beispiel aus der Immobilienwelt macht das Prinzip sofort greifbar:
| Praxisbeispiel: Der Grundstücksentwickler Ein Bauunternehmer möchte ein Grundstück kaufen – aber nur dann, wenn neue Bebauungsregeln in Kraft treten, die das Grundstück wertvoller machen würden. Er schließt mit dem Eigentümer einen Optionsvertrag ab: Er zahlt eine kleine Anzahlung und sichert sich damit das Recht, das Grundstück bis zu einem bestimmten Datum zum heutigen Preis zu kaufen. Treten die Regeln in Kraft, nutzt er seine Option: Er kauft das Grundstück zum vereinbarten Preis – egal, wie stark es inzwischen gestiegen ist. Treten sie nicht in Kraft, lässt er die Option verfallen. Er verliert nur die Anzahlung, nicht mehr. |
Genau dasselbe Prinzip gilt an der Börse: Sie sichern sich das Recht, eine Aktie zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder zu verkaufen – und entscheiden später, ob sich das lohnt.
| Das Risiko nicht vergessen Wenn Sie eine Option kaufen und sie nicht nutzen, verlieren Sie die gezahlte Prämie. Das ist Ihr maximaler Verlust als Käufer – ähnlich wie die verlorene Anzahlung im Grundstücksbeispiel. |
Die zwei Arten von Optionen: Call und Put
Es gibt genau zwei Grundtypen von Optionen. Alles andere im Optionshandel baut auf diesen zwei Bausteinen auf.
| Merkmal | Call-Option | Put-Option |
| Recht | Aktie kaufen | Aktie verkaufen |
| Gewinn wenn… | Kurs steigt | Kurs fällt |
| Typische Nutzung | Steigende Märkte | Fallende Märkte |
Die Call-Option – auf steigende Kurse setzen
Eine Call-Option gibt Ihnen das Recht, eine Aktie zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Sie profitieren, wenn der Kurs der Aktie steigt – denn dann können Sie die Aktie zum günstigeren, vorher vereinbarten Preis kaufen und zum höheren Marktpreis verkaufen.
| Beispiel Call-Option Sie kaufen eine Call-Option auf Aktie X zum Preis von 100 €. Sie bezahlen dafür eine Prämie von 5 €. Steigt die Aktie auf 130 €, können Sie sie trotzdem für 100 € kaufen und für 130 € verkaufen – Ihr Gewinn: 25 € (30 € Kursgewinn minus 5 € Prämie). |
Die Put-Option – auf fallende Kurse setzen
Eine Put-Option gibt Ihnen das Recht, eine Aktie zu einem festgelegten Preis zu verkaufen. Sie profitieren, wenn der Kurs der Aktie fällt – denn dann können Sie die Aktie zum niedrigeren Marktpreis kaufen und zum höheren, vereinbarten Preis verkaufen.
| Beispiel Put-Option Sie kaufen eine Put-Option auf Aktie Y zum Preis von 100 €, Prämie 4 €. Die Aktie fällt auf 70 €. Sie kaufen sie für 70 € am Markt und verkaufen sie dank Ihrer Option für 100 € – Ihr Gewinn: 26 € (30 € Differenz minus 4 € Prämie). |
Vorteile und Nachteile des Optionshandels
Sie fragen sich vielleicht: Warum sollte man überhaupt Optionen handeln, wenn es auch einfachere Möglichkeiten gibt? Der Optionsmarkt wirkt auf den ersten Blick komplizierter als ein klassisches Aktieninvestment – aber er bietet einige interessante Eigenschaften, die ihn für viele Anleger attraktiv machen.
Die Vorteile
- Hebelwirkung mit weniger Kapital: Mit einer vergleichsweise kleinen Prämie kontrollieren Sie ein deutlich größeres Paket an Aktien. Statt die volle Aktie zu kaufen, zahlen Sie nur einen Bruchteil des Preises.
- Begrenztes Risiko für Käufer: Als Käufer einer Option ist Ihr maximaler Verlust auf die gezahlte Prämie begrenzt – nicht mehr, egal was am Markt passiert.
- Flexibilität: Optionen können in steigenden, fallenden oder sogar seitwärts laufenden Märkten eingesetzt werden.
- Absicherung bestehender Positionen: Erfahrene Anleger nutzen Optionen, um ihr Portfolio gegen Kursverluste abzusichern – ähnlich wie eine Versicherung.
Die Nachteile
- Komplexität: Optionen haben mehr bewegliche Teile als ein einfacher Aktienkauf – Verfallsdatum, Prämie, Basispreis. Das erfordert ein solides Verständnis, bevor man loslegt.
- Zeitverfall: Optionen verlieren mit jedem Tag an Wert, wenn sich der Kurs nicht bewegt. Jede Option hat ein „Ablaufdatum“.
- Verlust der Prämie: Wenn Sie die Option nicht nutzen, verlieren Sie die gezahlte Prämie vollständig.
| Fazit für Einsteiger Optionen sind kein Goldesel – aber ein mächtiges Werkzeug, wenn man sie versteht. In der folgenden Artikelserie lernen Sie konkrete Strategien kennen, wie Sie Optionen sinnvoll einsetzen können – Schritt für Schritt. |
(*) Kleiner Hinweis: Hinter manchen Links steckt ein Affiliate-Programm. Du zahlst denselben Preis, aber ich bekomme ein wenig Taschengeld für die nächste Recherche. Danke, dass du meine Inhalte so direkt unterstützt!




