Du hedgest deine Aktienposition mit einem VIX-Call, sagen wir Strike 30, während der VIX bei 15 steht. Und dann kommt die Frage, die sich jeder Optionshändler irgendwann stellt: Bringt dir das im echten Crash überhaupt etwas, wenn an den Märkten alles verrückt spielt?
Die Preisfindung bricht nicht zusammen – sie verschiebt sich
Im Crash hören die Optionsmärkte nicht auf zu funktionieren. Wenn der VIX von 15 auf 45 oder mehr schießt, steigen die Preise für VIX-Calls massiv – dein 30er-Call, der vorher ein Schnäppchen war, wird plötzlich zum Vielfachen gehandelt. Die Kurse mögen irrational wirken, aber sie sind da, und du kannst handeln.
Was sich wirklich verändert, ist die Geld-Brief-Spanne. Die weitet sich in Stressphasen deutlich aus. Du bekommst also einen Preis – nur eben keinen besonders fairen. Genau das ist der Punkt, an dem viele Trader frustriert sind, nicht die Handelbarkeit an sich.
Ein weiterer Punkt, den du kennen solltest: VIX-Optionen werden europäisch ausgeübt und in bar abgerechnet, nicht physisch geliefert. Der offizielle Abrechnungswert (VRO) kann vom letzten VIX-Schlusskurs abweichen. Deshalb: Halte deine Position nicht stur bis zum Verfall, sondern schließe sie vorher – die Abrechnung kann dich überraschen.
Das Chaos ist die Gelegenheit
Wenn dein Call genau in dem Moment auszahlt, in dem der Markt crasht, dann läuft alles nach Plan. Ein VIX-Call kann in einem echten Crash locker 300 bis 500 % Rendite (*) bringen. Bei einem Einsatz von 625 Dollar wären das 2.500 bis 3.750 Dollar. Das Chaos ist also nicht das Problem – es ist der Grund, warum du die Position überhaupt hältst. Die eigentliche Kunst liegt darin, rechtzeitig wieder rauszukommen.
Drei Details, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden
Zeitwertverlust ist dein größter Gegner. In ruhigen Märkten verliert ein VIX-Call Tag für Tag an Wert. Die meisten Trader kaufen sich zwei, drei Monate Absicherung, sehen die Position verfallen und hören frustriert auf. Dabei funktioniert dieser Hedge nur über mehrere Jahre – die eine oder zwei Krisen, die in diesem Zeitraum passieren, sollen die vielen kleinen Verluste dazwischen wieder wettmachen.
Der Preis richtet sich nach den Futures, nicht nach dem Spot-VIX. Das ist ein Detail, das viele übersehen: VIX-Optionen werden nicht auf Basis des Werts bepreist, den du gerade auf dem Bildschirm siehst, sondern anhand des passenden VIX-Futures mit gleicher Laufzeit. Steht der Spot bei 15, der Future aber bei 17,5, dann ist dein 30er-Call in Wirklichkeit näher am Geld, als es der Spot-Wert vermuten lässt – und genau das steckt bereits im Preis. Wer nur auf den Spot schaut, verschätzt sich leicht, ob eine Option gerade teuer oder günstig ist.
Kontango kostet dich über die Zeit Geld. In ruhigen Marktphasen notieren länger laufende Futures höher als kurzfristige. Dieser Aufschlag steckt in der Optionsprämie und läuft als zusätzlicher Zeitwertverlust gegen dich – ähnlich wie die Rollkosten, die du von VIX-ETPs wie dem VXX kennst, auch wenn du selbst gar nichts „rollst“, sondern nur eine einzelne Option hältst.
So gehst du es konkret an
- Plane langfristig. Rechne fest damit, dass die meisten deiner Positionen wertlos verfallen. Der große Gewinn kommt vielleicht ein- oder zweimal pro Marktzyklus – und das reicht.
- Setz ein festes Budget. Begrenze deine Hedge-Kosten auf etwa 1–2 % deines Portfolios pro Jahr. Bei 500.000 Dollar Portfoliowert wären das 5.000 bis 10.000 Dollar jährlich, aufgeteilt in monatliche Käufe von grob 400 bis 800 Dollar.
- Kauf, wenn es ruhig ist. VIX-Calls sind am günstigsten, wenn der VIX zwischen 12 und 18 notiert. Steht er schon über 25, sind die Prämien aufgebläht und die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Spikes sinkt.
- Nimm Gewinne früh mit. Wenn die Volatilität explodiert, warte nicht auf den perfekten Ausstieg – sie kann genauso schnell wieder in sich zusammenfallen.
- Schließe vor dem Verfall. Halte VIX-Positionen nicht bis zur Abrechnung, der VRO-Wert kann überraschend abweichen.
Fazit
Der VIX-Hedge funktioniert – nur nicht so, wie man es sich naiv vorstellt. Er verlangt Geduld, ein festes Budget und die Bereitschaft, viele kleine Verluste zu akzeptieren, um im entscheidenden Moment groß zu gewinnen. Das Chaos im Crash ist dabei kein Störfaktor, sondern genau das Feature, für das du bezahlst. Du musst nur vorher wissen, wie du damit umgehst.
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