Was tun, wenn die Aktie fällt?
Was ist ein Covered Call – und wo liegt das Risiko?
Ein Covered Call ist eine beliebte Strategie, um mit Aktien, die man bereits besitzt, regelmäßig Einnahmen zu erzielen. Man verkauft dabei eine Kaufoption (Call) auf die eigenen Aktien und kassiert dafür eine Prämie. Klingt komfortabel – und das ist es oft auch. Aber es gibt einen Haken.
Die kassierte Prämie schützt nur wenig vor einem starken Kursrückgang. Fällt die Aktie deutlich, überwiegt der Verlust aus der Aktienposition bei weitem die erhaltene Prämie. Man sitzt dann auf einem Verlust – und fragt sich: Was nun?
Dieser Beitrag zeigt zwei konkrete Wege, wie man eine solche Situation aktiv reparieren kann, anstatt einfach abzuwarten.
Die Ausgangssituation
Das Beispiel-Szenario
Datum: 1. August 2025
Sie besitzen 100 Aktien von Johnson & Johnson (JNJ), einem stabilen Pharmaunternehmen. JNJ gilt als sogenannte Blue-Chip-Aktie – ein Unternehmen mit langer Geschichte, stabiler Dividende und wenig Kurskapriolen. Genau deshalb eignet es sich gut für Covered Calls.
Der erste Trade
Wenn Sie noch keine Johnson-Aktien im Besitz haben, kaufen Sie zuerst 100 JNJ-Aktien zu je 155,00 $ und verkaufen gleichzeitig einen Covered Call:
| Ihre Aktienposition | 100 JNJ-Aktien zu je 155,00 $ |
| Verkaufter Call | 1x JNJ Call, Ausübungspreis 160 $ |
| Laufzeit | Fälligkeit: 19. September 2025 |
| Erhaltene Prämie | 1,50 $ pro Aktie = 150 $ gesamt |
| Ihr Ziel | JNJ bleibt unter 160 $, Call verfällt wertlos, Sie behalten 150 $ |
Kennzahlen der Ausgangsposition
| Maximaler Gewinn | 650 $ (160 $ – 155 $ = 5 $ Kursgewinn × 100 + 150 $ Prämie) |
| Maximaler Verlust | 15.350 $ (wenn JNJ auf 0 $ fällt; durch Prämie leicht gemindert) |
| Break-Even-Punkt | 153,50 $ (Einstiegskurs 155 $ minus 1,50 $ Prämie) |
Das Problem: Die Aktie fällt
Datum: 22. August 2025
Der Gesundheitssektor steht unter Druck. JNJ gibt deutlich nach – der Kurs fällt von 155 $ auf 148 $. Schauen wir uns an, wie sich das auf Ihre Position auswirkt:
| Aktienposition | –7 $ je Aktie × 100 = –700 $ unrealisierter Verlust |
| Ihr verkaufter Call | War 1,50 $ wert, ist jetzt nur noch 0,10 $ wert → unrealisierter Gewinn von 1,40 $ = +140 $ |
| Nettoergebnis gesamt | –700 $ + 140 $ = –560 $ unrealisierter Verlust |
Ihr Break-Even liegt bei 153,50 $. JNJ müsste also von 148 $ wieder auf 153,50 $ steigen, damit Sie keinen Verlust machen. Das sind 5,50 $ – oder knapp +3,7 % von hier.
Sie entscheiden sich, aktiv einzugreifen. Das Mittel der Wahl: den Call „nach unten rollen“.
Verteidigung Nr. 1: Der gewinnorientierte Roll
Für wen ist das?
Für Anleger, die eine Erholung der Aktie für wahrscheinlich halten und im Falle einer Rücknahme der Aktien einen Gewinn erzielen möchten – und nicht nur einen Verlust begrenzen wollen.
Die Aktion
1. Kauf zum Schließen (BTC): Sie kaufen Ihren bestehenden September-Call mit Ausübungspreis 160 $ zurück – kostet Sie 0,10 $ (also 10 $).
2. Verkauf zum Öffnen (STO): Sie verkaufen einen neuen September-Call mit Ausübungspreis 155 $ – erhalten dafür 1,60 $ (160 $).
Nettogutschrift aus diesem Roll: 1,60 $ – 0,10 $ = 1,50 $ = 150 $ zusätzlich
Ergebnis der reparierten Position
| Gesamtgutschrift | 300 $ (150 $ anfangs + 150 $ aus dem Roll) |
| Neuer Break-Even | 152,00 $ (155 $ Einstieg – 3,00 $ Gesamtprämie) |
| Neuer Ausübungspreis | 155,00 $ |
| Maximaler Gewinn | +300 $ (Aktien werden zu 155 $ zurückgekauft, kein Kursgewinn, aber 300 $ Prämie behalten) |
Das Entscheidende: Erholt sich JNJ auf 155 $ und wird Ihre Position ausgeübt, machen Sie einen Gesamtgewinn von 300 $. Statt eines Verlustes ein kleines Plus – das ist Positionsreparatur in Reinform.
Verteidigung Nr. 2: Der aggressive Roll
Für wen ist das?
Für Anleger, die glauben, dass die Aktie schwach bleiben oder sich kaum erholen wird. Hier steht maximale Sofortgutschrift im Vordergrund – auf Kosten des Aufwärtspotenzials.
Die Aktion
1. Kauf zum Schließen (BTC): Gleiches Vorgehen – Sie kaufen den 160 $-Call zurück für 0,10 $.
2. Verkauf zum Öffnen (STO): Jetzt verkaufen Sie einen neuen Call mit Ausübungspreis 150 $ – also näher am aktuellen Kurs von 148 $ als der ursprüngliche 160 $-Call. Da der Strike dichter am Kurs liegt (leicht aus dem Geld), ist die Prämie deutlich höher: 3,10 $ = 310 $.
Nettogutschrift aus diesem Roll: 3,10 $ – 0,10 $ = 3,00 $ = 300 $ zusätzlich
Ergebnis der reparierten Position
| Gesamtgutschrift | 450 $ (150 $ anfangs + 300 $ aus dem Roll) |
| Neuer Break-Even | 150,50 $ (155 $ – 4,50 $ Gesamtprämie) |
| Neuer Ausübungspreis | 150,00 $ |
| Ergebnis bei Ausübung | –50 $ kleiner, definierter Verlust (Aktien zu 150 $ verkauft, Einstieg war 155 $, minus 4,50 $ Prämie) |
Sie erhalten jetzt sofort viel mehr Geld – aber: Falls die Aktie sich erholt und Ihr Call ausgeübt wird, verkaufen Sie Ihre Aktien zu 150 $. Das ist 5 $ unter Ihrem Einstiegskurs. Auch mit der Prämie von 4,50 $ bleibt ein kleines Minus von 0,50 $ je Aktie (50 $ gesamt).
Zusammenfassung: Welche Strategie passt zu Ihnen?
Beide Ansätze sind sinnvoll – je nach Ihrer Marktmeinung und Ihrem Ziel:
| Faktor | Verteidigung Nr. 1 (Gewinnorientiert) | Verteidigung Nr. 2 (Aggressiv) |
| Primäres Ziel | Gewinn sichern, falls Aktie zurückgekauft wird | Maximale sofortige Gutschrift erhalten |
| Neue Prämie | +150 $ Gutschrift | +300 $ Gutschrift |
| Neuer Break-Even | 152,00 $ | 150,50 $ |
| Aufwärtspotenzial | Begrenzt auf 155 $ (Gewinn möglich) | Begrenzt auf 150 $ (kleiner Verlust) |
| Bester Anwendungsfall | Volle Erholung der Aktie erwartet | Aktie bleibt schwach oder seitwärts |
Die entscheidende Frage ist: Was glauben Sie, wo JNJ in vier Wochen steht?
Wenn Sie an eine Erholung glauben → Verteidigung Nr. 1 ist die bessere Wahl. Sie sichern sich einen Gewinn bei Ausübung und senken gleichzeitig Ihren Break-Even.
Wenn Sie eher Stagnation oder weiteren Rückgang erwarten → Verteidigung Nr. 2 liefert sofort mehr Cash und reduziert Ihre Kostenbasis stärker, akzeptiert aber einen kleinen definierten Verlust.
Kernaussage des Artikels
Ein fallender Aktienkurs ist kein Todesurteil für einen Covered Call. Durch gezieltes Rollen des Calls lässt sich die Kostenbasis senken und der Break-Even-Punkt verbessern. Welcher Weg der richtige ist, hängt nicht von einer Formel ab – sondern von Ihrer eigenen Einschätzung der Aktie.




