Die goldene Regel – Warum du einer Verlustposition kein neues Risiko hinzufügen solltest

Stell dir vor, du sitzt an einem Pokertisch. Du hast eine schlechte Hand – zwei und eine Sieben, verschieden farbig. Was tut ein Profi? Er passt. Er wirft nicht noch mehr Chips in den Pot, um zu bluffen. Er akzeptiert den kleinen Verlust und lebt, um eine bessere Hand zu spielen.

Trading funktioniert genauso.

Die goldene Regel:

Füge einer Verlustposition niemals neues Nettorisiko hinzu.

Was heißt „Nettorisiko“?

Es ist der maximale Geldbetrag, den du verlieren kannst, wenn der Trade völlig schiefgeht. Ein kleines Risiko zu erhöhen – etwa durch eine kostengünstige Anpassung – ist etwas anderes. Hier geht es um neues Risiko, das deinen maximal möglichen Verlust vergrößert.


Der klassische Anfängerfehler: Nachkaufen bei Verlustoptionen

Viele kennen das Prinzip vom Aktienhandel: Eine gute Aktie fällt, du kaufst günstiger nach, senkst deinen Durchschnittspreis. Das kann sinnvoll sein.

Dieselbe Logik auf Optionen anzuwenden, ist gefährlich. Hier ein konkretes Beispiel:

  • Du kaufst eine Call-Option für 300 €. Dein maximaler Verlust: 300 €.
  • Die Aktie fällt. Deine Option ist jetzt nur noch 100 € wert.
  • Du ärgerst dich und kaufst eine weitere Option für 100 €.

Was hast du erreicht?

Vor dem NachkaufNach dem Nachkauf
Investiert: 300 €Investiert: 400 €
Max. Verlust: 300 €Max. Verlust: 400 €
Aktueller Verlust: 200 €Risiko: nochmal 100 € extra

Du hast deinen Durchschnittspreis gesenkt – aber dein Risiko erhöht. Du hast dafür bezahlt, mehr Geld verlieren zu können. Das ist kein Trading mehr. Das ist Hoffnung.

„Wer gutem Geld schlechtes hinterherwirft, kauft sich teure Hoffnung.“


Der entscheidende Unterschied: Kosten vs. Risiko

Ein Profi zahlt Kosten für eine Verbesserung (z. B. 50 €, um eine Option umzudrehen). Das ist wie Werbung für ein Produkt: eine Ausgabe mit Plan.

Ein Anfänger erhöht Risiko (z. B. Nachkauf für 100 €). Das ist wie eine zweite Wette auf dieselbe Verlustwette.

Merke: Kosten sind definiert und begrenzt. Risiko ist offen und kann auf Null fallen.


Deutsche Besonderheit: Das Finanzamt bestraft das Nachkaufen zusätzlich

In Deutschland gelten Optionsverluste als sonstige Verluste und können nur mit Optionsgewinnen verrechnet werden – nicht mit Aktiengewinnen. Wenn du bei einer Verlustoption nachkaufst und am Ende alles verlierst, erhöhst du nicht nur deinen Verlust, sondern landest möglicherweise in einem Verlusttopf, aus dem du nur schwer wieder herauskommst. Mehr Verlust zu machen, bringt dir also nicht einmal einen Steuervorteil. Es ist reiner Kapitalvernichtung.


Gibt es Ausnahmen?

Ja, aber nicht für Anfänger. Fortgeschrittene Trader nutzen manchmal Strategien wie „Ratio Spreads“, bei denen sie mehr verkaufen als sie kaufen. Das erhöht zwar technisch das Risiko, aber es ist definiert und kalkuliert. Für 99 von 100 Tradern gilt: Halte dich an die goldene Regel.


Zusammenfassung für deinen Trading-Plan

  • Eine Verlustposition ist kein Problem, das du bekämpfen musst. Es ist eine schlechte Hand – geh raus.
  • Füge niemals Kapital hinzu, das deinen maximalen Verlust erhöht.
  • Frage bei jeder Anpassung: Erhöht das mein Nettorisiko? Wenn ja: lass es.
  • In Deutschland: Mehr Verlust bedeutet nicht mehr Steuervorteil – nur mehr Verlust.

Die goldene Regel trennt den Risikomanager vom Spieler. Halte dich an sie – dein Konto wird es dir danken.


Verständnis-Check: Goldene Regel – ein kleiner Multiple-Choice-Test

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