Bevor Sie mit Optionen handeln, sollten Sie ihre Bausteine kennen. Die gute Nachricht: Eine Option besteht nur aus einer Handvoll Begriffen, die immer wiederkehren. Haben Sie diese einmal verinnerlicht, lässt sich jede noch so komplexe Strategie aus diesen Bausteinen zusammensetzen. Dieses Kapitel führt Sie Schritt für Schritt durch diese Grundbegriffe.
Was ist eine Option überhaupt?
Eine Option ist ein Vertrag, der seinem Käufer das Recht gibt, einen bestimmten Basiswert – zum Beispiel eine Aktie – zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Der Käufer hat dabei ein Recht, aber keine Pflicht: Er kann von der Option Gebrauch machen, muss es aber nicht. Der Verkäufer der Option – auch Stillhalter genannt – geht im Gegenzug eine Verpflichtung ein: Macht der Käufer von seinem Recht Gebrauch, muss der Stillhalter liefern oder abnehmen.
Für dieses Recht zahlt der Käufer dem Verkäufer eine Prämie – das ist der Preis der Option. Diese Prämie ist der einzige Betrag, den der Käufer maximal verlieren kann; der Stillhalter hingegen trägt das eigentliche Risiko der Position.
Man kann sich das wie eine Reservierung vorstellen: Wenn Sie ein Grundstück für fünf Jahre zum heutigen Preis reservieren möchten, statt es sofort zu kaufen, zahlen Sie dem Eigentümer dafür eine Gebühr – die Reservierung selbst. Ob Sie das Grundstück am Ende tatsächlich kaufen, bleibt Ihre Entscheidung. Genau das ist das Prinzip einer Option, nur dass der „Eigentümer“ hier der Stillhalter ist und die „Reservierungsgebühr“ die Optionsprämie.
Call und Put: die zwei Grundtypen
Es gibt nur zwei Arten von Optionen, aus denen sich alle weiteren Strategien zusammensetzen:
- Call (Kaufoption): gibt dem Käufer das Recht, den Basiswert zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Käufer eines Calls profitieren von steigenden Kursen.
- Put (Verkaufsoption): gibt dem Käufer das Recht, den Basiswert zu einem festgelegten Preis zu verkaufen. Käufer eines Puts profitieren von fallenden Kursen.
Jede dieser beiden Optionsarten kann man sowohl kaufen (man ist dann „long“) als auch verkaufen (man ist dann „short“ oder Stillhalter). Daraus ergeben sich vier mögliche Grundpositionen: Long Call, Short Call, Long Put und Short Put. Alle weiteren, komplexeren Strategien – etwa der Iron Condor aus Kapitel 5 – sind letztlich nur Kombinationen dieser vier Bausteine.
Die vier festen Eckpunkte jedes Optionsvertrags
Jeder Optionskontrakt ist über vier feste Eckpunkte eindeutig definiert:
- Basiswert (Underlying): das Wertpapier oder der Index, auf den sich die Option bezieht – etwa eine Aktie wie SAP oder ein Index wie der DAX.
- Basispreis (Strike): der Preis, zu dem der Basiswert bei Ausübung gekauft oder verkauft werden darf. Er wird bei Vertragsabschluss festgelegt und ändert sich während der Laufzeit nicht.
- Laufzeit / Verfall (Expiration): der Zeitpunkt, bis zu dem die Option ausgeübt werden kann. Danach verfällt sie wertlos, sofern sie nicht vorher ausgeübt oder glattgestellt wurde.
- Kontraktgröße (Multiplikator): die Menge des Basiswerts, auf die sich ein einzelner Kontrakt bezieht. An US-Börsen entspricht ein Optionskontrakt in aller Regel 100 Aktien.
| Für Fans deutscher Werte – die Eurex: Die wichtigste Terminbörse für Optionen im deutschsprachigen Raum ist die Eurex mit Sitz in Frankfurt und Zürich. Dort werden zum Beispiel Optionen auf den DAX (Kürzel: ODAX) oder auf einzelne deutsche Aktien gehandelt. Die Kontraktgröße ist auch hier meist auf 100 Aktien des Basiswerts genormt; bei einigen Werten wie Allianz, SAP oder Münchener Rück gelten jedoch abweichende Kontraktgrößen von teils nur 10 Aktien – ein Detail, das vor dem ersten Trade unbedingt in den Kontraktspezifikationen der Eurex geprüft werden sollte. |
Wann darf eine Option ausgeübt werden? Amerikanisch vs. europäisch
Optionen unterscheiden sich auch danach, wann der Käufer sein Recht ausüben darf. Hier gibt es zwei Standardvarianten:
- Amerikanische Ausübungsart: Die Option kann an jedem Handelstag während der Laufzeit ausgeübt werden, nicht erst am Verfalltag.
- Europäische Ausübungsart: Die Option kann ausschließlich am letzten Handelstag, dem Verfalltag, ausgeübt werden.
Trotz der Namen sagen diese Begriffe nichts über die geografische Herkunft der Option aus – auch in den USA gehandelte Indexoptionen können europäisch ausgeübt werden, und umgekehrt.
| Für Europa: An der Eurex sind die meisten Aktienoptionen amerikanischer Art – sie können also während der gesamten Laufzeit ausgeübt werden. Optionen auf den DAX (ODAX) hingegen sind europäischer Art: Hier ist eine Ausübung ausschließlich am letzten Handelstag möglich. Da Aktienoptionen bei Ausübung in der Regel zur physischen Lieferung der zugrunde liegenden Aktien führen, während Indexoptionen wie der ODAX stets bar abgerechnet werden (ein Barausgleich, da man „den DAX“ nicht physisch liefern kann), lohnt sich vor dem Handel ein Blick in die Kontraktspezifikationen des jeweiligen Produkts. |
Innerer Wert und Zeitwert: woraus sich der Preis zusammensetzt
Der Preis einer Option – die Prämie – setzt sich immer aus zwei Bestandteilen zusammen: dem inneren Wert und dem Zeitwert.
- Innerer Wert: der Betrag, den die Option wert wäre, würde man sie sofort ausüben. Bei einem Call ist das die Differenz zwischen aktuellem Kurs des Basiswerts und Basispreis, sofern diese positiv ist; bei einem Put ist es umgekehrt die Differenz zwischen Basispreis und aktuellem Kurs.
- Zeitwert: der restliche Teil der Prämie. Er spiegelt die Wahrscheinlichkeit wider, dass sich der innere Wert der Option bis zum Verfall noch zugunsten des Käufers verändert. Je länger die Restlaufzeit und je höher die erwartete Schwankungsbreite (implizite Volatilität) des Basiswerts, desto höher fällt der Zeitwert aus.
Genau hier setzt auch das bekannte Prinzip des Zeitwertverfalls an: Mit jedem Tag, der verstreicht, nähert sich die Restlaufzeit dem Verfall, und der Zeitwert schmilzt – unabhängig davon, ob sich der Kurs des Basiswerts überhaupt bewegt.
| Begriff | Bedeutung |
| Im Geld (in the money, ITM) | Die Option besitzt einen inneren Wert. Bei einem Call: Basiswert notiert über dem Strike. Bei einem Put: darunter. |
| Am Geld (at the money, ATM) | Der Kurs des Basiswerts entspricht ungefähr dem Strike. Die Option besteht fast ausschließlich aus Zeitwert. |
| Aus dem Geld (out of the money, OTM) | Die Option besitzt keinen inneren Wert, sondern ausschließlich Zeitwert. Bei einem Call: Basiswert notiert unter dem Strike. Bei einem Put: darüber. |
Warum kostet eine länger laufende Option mehr als eine kurzlaufende mit ansonsten identischen Eckpunkten? Die Antwort liegt im Zeitwert: Je länger die Laufzeit, desto mehr Zeit bleibt dem Basiswert, um sich zugunsten des Käufers zu bewegen – und desto wahrscheinlicher wird dadurch ein Gewinn für ihn. Diese höhere Wahrscheinlichkeit lässt sich der Stillhalter entsprechend teurer bezahlen. Würden Sie eine Immobilie für nur einen einzigen Tag „reservieren“ wollen, wäre diese Reservierung entsprechend günstig, da in diesem kurzen Zeitraum kaum etwas passieren kann, das den Wert der Immobilie beeinflusst. Eine Reservierung über fünf Jahre dagegen lässt sich der Eigentümer deutlich teurer bezahlen, weil in dieser Zeit erheblich mehr passieren kann.
Was am Ende einer Position passieren kann
Eine offene Optionsposition endet auf eine von drei Arten:
- Glattstellung: Die Position wird vor Verfall durch ein Gegengeschäft beendet – wer eine Option gekauft hat, verkauft sie wieder, und umgekehrt. Dies ist in der Praxis die mit Abstand häufigste Variante.
- Verfall: Erreicht die Option den Verfalltag, ohne im Geld zu sein, verfällt sie wertlos. Der Käufer verliert die gezahlte Prämie vollständig, der Stillhalter behält sie als Gewinn.
- Ausübung (Andienung): Der Käufer macht von seinem Recht Gebrauch. Je nach Kontrakt wird entweder der Basiswert tatsächlich geliefert (physische Lieferung) oder die Differenz in bar ausgeglichen (Barausgleich, Cash Settlement). Der Stillhalter ist in diesem Fall zur Erfüllung verpflichtet – daher auch der Name „Stillhalter“: Er muss stillhalten und liefern oder abnehmen, sobald der Käufer sein Recht ausübt.
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