Jeder erfolgreiche Optionshändler macht Fehler – das gehört zur Lernkurve dazu. Der kluge Weg ist jedoch, möglichst viele Fehler von anderen zu lernen, statt sie selbst teuer zu bezahlen. In diesem Kapitel stellen wir die sechs häufigsten Fallen vor, in die besonders Einsteiger tappen. Wer diese kennt und vermeidet, verkürzt seine Lernzeit deutlich und schützt sein Kapital.
1. Ungedeckte Optionen ohne Absicherung kaufen
Viele Anfänger kaufen einfach Call- oder Put-Optionen, ohne die Position abzusichern. Sie hoffen auf eine starke Kursbewegung in die richtige Richtung.
Warum das gefährlich ist: Auch wenn Ihre Richtungsvorhersage richtig ist, können Zeitwertverfall und sinkende Volatilität Ihre Gewinne auffressen. Oft reicht die Bewegung nicht schnell genug aus, und die Option verfällt wertlos. Der maximale Verlust ist zwar auf die gezahlte Prämie begrenzt, aber bei wiederholten Fehltrades summiert sich das schnell zum Totalverlust.
Tipp: Kaufen Sie nur dann einzelne Optionen, wenn sie Teil einer klaren, abgesicherten Strategie sind (z. B. als Ergänzung zu einer Aktienposition). Anfänger sollten lieber mit Spreads arbeiten, bei denen das Risiko von vornherein begrenzt ist.
Hinweis: Der Verkauf ungedeckter (nackter) Optionen ist noch gefährlicher, da das Verlustrisiko theoretisch unbegrenzt sein kann. Für Einsteiger absolut tabu!
2. Unterschätzung des Zeitwertverfalls (Theta)
Der Zeitwertverfall ist einer der größten Feinde des Optionskäufers. Je näher der Verfallstag rückt, desto schneller verliert die Option an Wert – selbst wenn sich der Kurs des Underlyings leicht in die gewünschte Richtung bewegt.
Viele Einsteiger wundern sich, warum ihre Call-Option nicht steigt, obwohl die Aktie leicht zulegt. Die Antwort ist meist Theta: Der tägliche Zeitverlust frisst den Gewinn aus der Kursbewegung auf.
Tipp: Kaufen Sie bevorzugt Optionen mit ausreichender Restlaufzeit (mindestens 30–60 Tage) oder nutzen Sie Strategien, die vom Zeitwertverfall profitieren (z. B. als Verkäufer von Optionen in Spreads).
3. Optionen bei hoher impliziter Volatilität kaufen
In turbulenten Zeiten (z. B. nach wichtigen Nachrichten, Wahlen oder Quartalsberichten) schießen die Optionsprämien oft stark in die Höhe. Viele Einsteiger kaufen dann teure Optionen – und erleiden Verluste, sobald sich die Lage beruhigt und die Volatilität wieder sinkt.
Beispiel: Nach unerwarteten Ereignissen wie dem Brexit oder großen Zinsentscheidungen explodiert der Volatilitätsindex (VDAX in Deutschland). Wer dann kauft, zahlt oft viel zu viel.
Tipp: Prüfen Sie immer die aktuelle implizite Volatilität. Kaufen Sie Optionen lieber in ruhigeren Marktphasen oder nutzen Sie Strategien, die von fallender Volatilität profitieren.
4. Verluste nicht rechtzeitig begrenzen
„Lassen Sie Gewinne laufen und begrenzen Sie Verluste“ – dieser alte Börsenweisheit (*) wird von Anfängern häufig ignoriert. Viele halten an verlustreichen Positionen fest und hoffen auf eine Wende.
Die Folge: Aus einem kleinen Verlust wird ein großer – oder sogar ein Konto ruinierender Verlust.
Praktische Regel: Legen Sie vor dem Einstieg einen maximalen Verlust fest (z. B. 20–30 % des eingesetzten Prämienbetrags) und schließen Sie die Position automatisch, wenn dieser erreicht ist. Disziplin schlägt Hoffnung.
5. Zu viel Risiko auf einen einzigen Trade konzentrieren
„Alle Eier in einen Korb legen“ ist ein klassischer Anfängerfehler. Auch wenn Sie von einem Trade überzeugt sind – niemand kann die Zukunft mit Sicherheit vorhersagen.
Faustregel: Riskieren Sie pro Trade maximal 1–2 % (besser nicht mehr als 4–5 %) Ihres gesamten Handelskapitals. Bei 10.000 € Depot sollten Sie nie mehr als 200–500 € pro Position riskieren.
So überleben Sie auch eine Serie von Fehltrades und bleiben langfristig im Spiel.
6. Zu hohe Broker (*)-Gebühren zahlen
Jeder unnötige Euro an Gebühren schmälert Ihre Gewinne. Besonders beim häufigen Handel mit Optionen (Spreads, Daytrading) addieren sich Provisionen und Spreads schnell.
Deutsche Besonderheit: In Deutschland gibt es mittlerweile sehr günstige Neobroker wie Trade Republic, Scalable Capital oder Smartbroker. Vergleichen Sie die Konditionen genau – vor allem bei Optionsgebühren, Orderprovisionen und Depotführung. Ein guter Broker (*) kann über Jahre hinweg mehrere hundert oder tausend Euro ausmachen.
Tipp: Führen Sie einen einfachen Vergleich durch und wechseln Sie bei deutlichen Einsparungen. Achten Sie auch auf die Qualität der Handelsplattform und den Support.
Zusammenfassung
Die größten Fallstricke im Optionshandel sind meist hausgemacht: fehlende Disziplin, mangelndes Risikomanagement und übertriebener Optimismus. Wer diese sechs Fehler kennt und aktiv vermeidet, hat bereits einen riesigen Vorsprung gegenüber den meisten Einsteigern.
Merken Sie sich:
- Handeln Sie klein und diszipliniert.
- Nutzen Sie klare Regeln für Ein- und Ausstieg.
- Schützen Sie Ihr Kapital – es ist Ihr wichtigstes Werkzeug.
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Risikoinformation
Anlegen ist riskant. Es gibt Produkte, bei denen Ihr Verlust Ihre Einlage übersteigen kann. Die in unseren Beiträgen vorgestellten Strategien oder Informationen dienen ausschließlich als Beispiel für ein besseres Verständnis. Sie sind keine Empfehlungen zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Bitte beachten Sie, dass bei Investitionen am Kapitalmarkt Kursbewegungen große Schwankungen beim eingesetzten Kapital bewirken können, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Wir empfehlen, dass Sie sich vor einer Investition am Kapitalmarkt gut über die Funktionsweise von Produkten und die Risiken informieren, z. B. in den Dokumenten zur Risikoaufklärung.




