Kann sich der Goldpreis bis zum Ende des Jahrzehnts tatsächlich noch einmal verdoppeln? Genau diese Frage sorgt derzeit für Diskussionen unter Anlegern. Hintergrund ist eine viel beachtete Prognose aus dem aktuellen In Gold (*) We Trust Report der Vermögensverwalter Incrementum. Die Autoren Ronald-Peter Stöferle und Mark Valek halten einen Goldpreis von rund 8.900 US-Dollar je Feinunze bis 2030 für möglich.
Doch wie realistisch ist dieses Szenario wirklich?
Warum Experten Gold (*) weiterhin großes Potenzial zutrauen
Die Studie stützt ihre Prognose auf mehrere langfristige Entwicklungen.
1. Das Vertrauen in Papierwährungen nimmt ab
Weltweit steigen die Staatsverschuldung und die Haushaltsdefizite vieler Länder. Gleichzeitig sorgen geopolitische Konflikte, eine zunehmende Fragmentierung der Weltwirtschaft und langfristige Inflationsrisiken für Unsicherheit.
Gold gilt seit Jahrhunderten als Wertspeicher und besitzt keinen Emittenten, der zahlungsunfähig werden könnte. Gerade in Zeiten sinkenden Vertrauens in klassische Papierwährungen gewinnt dieser Aspekt wieder an Bedeutung.
2. Zentralbanken kaufen so viel Gold wie seit Jahrzehnten nicht mehr
Ein besonders starkes Argument ist die Nachfrage der Notenbanken.
Vor allem Länder wie China, Indien, Polen oder die Türkei haben ihre Goldreserven in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Ziel ist es, die Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren und die eigenen Währungsreserven breiter aufzustellen.
Diese Käufe sind keine kurzfristige Spekulation, sondern Teil einer langfristigen strategischen Ausrichtung.
3. Gold profitiert von einer unsicheren Welt
Viele Anleger betrachten Gold als Absicherung gegen wirtschaftliche und politische Risiken. Während Staatsanleihen weiterhin eine wichtige Rolle im Finanzsystem spielen, gewinnt Gold als zusätzlicher Stabilitätsbaustein im Portfolio an Bedeutung.
In einer zunehmend multipolaren Welt gilt Gold vielen Investoren (*) als politisch neutraler Wertspeicher.
Ist eine Verdopplung des Goldpreises realistisch?
Ein Anstieg auf rund 8.900 Dollar bis 2030 wäre ambitioniert – aber historisch keineswegs beispiellos.
Zwischen 2001 und 2011 stieg der Goldpreis von rund 250 auf über 1.900 US-Dollar. Auch in den 1970er-Jahren legte Gold innerhalb weniger Jahre um ein Vielfaches zu.
Ob sich eine ähnliche Entwicklung wiederholt, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab:
- Entwicklung der Inflation
- Höhe der Realzinsen
- Geldpolitik der Zentralbanken
- geopolitische Krisen
- Entwicklung des US-Dollars
Steigende Realzinsen wirken häufig belastend auf Gold, da das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden erwirtschaftet. Umgekehrt profitiert Gold oft von niedrigen oder sogar negativen Realzinsen.
Ein weiterer wichtiger Faktor: Das Angebot wächst nur langsam
Während Staaten ihre Geldmenge relativ schnell ausweiten können, lässt sich Gold nicht beliebig vermehren.
Neue Minen benötigen oft viele Jahre bis zur Produktion. Dadurch wächst das weltweite Goldangebot nur langsam. Diese begrenzte Verfügbarkeit zählt zu den wichtigsten langfristigen Argumenten für steigende Goldpreise.
Nicht nur Investoren (*) treiben den Markt
Oft wird übersehen, dass die Nachfrage nach Gold aus mehreren Bereichen stammt.
Neben Investoren (*) kaufen auch:
- Zentralbanken
- die Schmuckindustrie
- die Elektronikbranche
- private Haushalte, insbesondere in Indien und China
Diese breite Nachfrage stabilisiert den Markt zusätzlich.
Wie viel Gold gehört ins Portfolio?
Eine allgemeingültige Empfehlung gibt es nicht. Viele Vermögensverwalter halten jedoch einen Goldanteil zwischen 5 und 15 Prozent für sinnvoll.
Wie hoch die persönliche Goldquote ausfallen sollte, hängt unter anderem von deiner Risikobereitschaft, deinem Anlagehorizont und der Zusammensetzung deines Vermögens ab.
Physisches Gold oder Gold-ETC?
Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile.
Physisches Gold in Form von Münzen oder Barren bietet maximale Unabhängigkeit und kein Emittentenrisiko. Dafür fallen Lager- und Versicherungskosten an.
Physisch besicherte Gold-ETCs bilden den Goldpreis bequem über die Börse ab. Wichtig ist dabei ein tatsächlicher Goldbestand sowie ein Auslieferungsanspruch. Nach aktueller deutscher Rechtsprechung können solche Produkte steuerlich ähnlich behandelt werden wie physisches Gold. Da sich steuerliche Regelungen ändern können, lohnt sich im Zweifel eine individuelle Beratung.
Gold ist keine Wette auf den Weltuntergang
Ein häufiger Irrtum lautet, dass Gold nur dann sinnvoll sei, wenn man einen Zusammenbruch des Finanzsystems erwartet.
Tatsächlich nutzen viele Anleger Gold vor allem zur Diversifikation. Das Edelmetall kann helfen, Schwankungen im Gesamtportfolio zu reduzieren und in Krisenzeiten Stabilität zu bieten. Es ersetzt weder Aktien noch Anleihen, sondern ergänzt sie sinnvoll.
Zusammengefasst
Die Prognose eines Goldpreises von 8.900 US-Dollar bis 2030 ist keineswegs garantiert. Sie basiert auf Annahmen über Inflation, Staatsverschuldung, geopolitische Entwicklungen, die Nachfrage der Zentralbanken und die Geldpolitik.
Ob dieses Kursziel tatsächlich erreicht wird, lässt sich heute niemand seriös vorhersagen.
Unabhängig davon bleibt Gold für viele Anleger ein interessanter Portfoliobaustein. Nicht unbedingt, weil sich der Preis bis 2030 verdoppeln könnte, sondern weil Gold seit Jahrhunderten als Wertspeicher gilt und in einem breit aufgestellten Vermögen einen wichtigen Beitrag zur Risikostreuung leisten kann.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Gold auf 8.900 US-Dollar steigt. Viel wichtiger ist, ob Gold zu deiner persönlichen Anlagestrategie passt und welchen Anteil es in deinem Portfolio sinnvoll einnehmen sollte.
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