Warren Buffett warnt: Banken fragil – und kein guter Markt

Was macht einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten, wenn er 95 Jahre alt ist und gerade seinen Chefposten abgegeben hat? Er gibt ein TV-Interview – und bewegt damit noch immer die Börsen der Welt.

Warren Buffett, Gründer und langjähriger Chef des Investmentkonzerns Berkshire Hathaway, war zuletzt beim US-Börsensender CNBC in der Sendung „Squawk Box“ zu Gast. Dabei plauderte er über seine wohl bekannteste Investition: Apple.


Die Apple-Geschichte: Milliarden verdient – und trotzdem zu früh raus

Berkshire Hathaway hatte Apple-Aktien in den vergangenen Quartalen in großem Umfang verkauft. Buffett räumte offen ein, dass er „zu früh verkauft“ habe – wenngleich er die Aktien auch „früh genug gekauft“ habe. Trotz allem bereue er den Verkauf nicht grundsätzlich.

Mit dem Verkauf eines Teils der Position realisierte Berkshire einen Gewinn von rund 100 Milliarden US-Dollar – eine der größten Einzelgewinne in der Geschichte des Unternehmens.

Trotz aller Verkäufe bleibt Apple die größte Einzelposition im Depot: Berkshire hält noch rund 228 Millionen Apple-Aktien, was etwa 21,6 Prozent des gesamten Aktienportfolios entspricht – aktuell ein Wert von rund 46 Milliarden US-Dollar.

Ob er nochmals groß einsteigen würde? Buffett hielt sich bedeckt: „Es ist nicht ausgeschlossen, dass Apple einen Kurs erreicht, bei dem wir eine große Menge davon kaufen. Aber nicht in diesem Markt.“


Der Berg aus Bargeld: Warum Berkshire so viel Liquidität hält

Berkshire Hathaway sitzt derzeit auf einer riesigen Cash-Reserve von rund 300 bis 382 Milliarden US-Dollar – ein historischer Höchststand. Das klingt nach schlechtem Wirtschaften, ist aber Absicht.

Das Geld steckt größtenteils in kurzfristigen US-Staatsanleihen – also sehr sicheren, leicht verkäuflichen Wertpapieren. Der Grund: Sollte die Börse stark einbrechen, kann Berkshire blitzschnell günstig einkaufen. Im Investorenjargon spricht man von „trockenem Pulver“ – Kapital, das auf seinen Einsatz wartet.

Viele Marktbeobachter sehen in dieser Strategie ein deutliches Signal: Buffett hält den Markt für überbewertet und wartet lieber ab, als jetzt teuer einzukaufen.


Die eigentliche Warnung: das Bankensystem

Noch bemerkenswerter als die Apple-Aussagen war Buffetts Einschätzung zur Stabilität des Finanzsystems. Auf die Frage, was ihm mehr Sorgen mache – die Inflation oder das Bankensystem –, antwortete er: beides, aber vor allem die Banken.

„Das Bankensystem ist in gewissem Sinne sehr stark, andererseits auch sehr fragil“, so Buffett. Eine scheinbar widersprüchliche Aussage, die er aber erläuterte: Banken sind in normalen Zeiten robust, doch in Krisenzeiten können Probleme rasend schnell von einem Institut auf das nächste übergreifen – eine Art Dominoeffekt.

Besonders warnte er vor dem sogenannten Schattenbankensystem – also Finanzakteuren wie Hedgefonds, Private-Equity-Firmen oder bestimmten Kreditgebern, die ähnlich wie Banken funktionieren, aber weniger streng reguliert sind. Buffetts Kernthese: Diese Akteure sind keine isolierten Einheiten, sondern eng mit dem offiziellen Bankensystem verflochten. Gerät einer in Schieflage, kann sich das wie ein Flächenbrand ausbreiten. Als Mahnmal verwies er auf die Finanzkrise von 2008.


Wer ist eigentlich noch der Chef?

Seit Ende 2025 ist Buffett nicht mehr CEO von Berkshire Hathaway. Er hat die operative Führung an Greg Abel übergeben und ist nun nur noch Chairman – also Vorsitzender des Aufsichtsgremiums. Die täglichen Geschäfte verantwortet Abel.

Das mindert Buffetts Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung aber kaum. Wenn er spricht, bewegen sich Märkte. Nicht wegen seiner formalen Position, sondern wegen seiner Jahrzehnte langen Erfolgsbilanz und seiner Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge in klare Worte zu fassen.


Fazit: Vorsicht statt Euphorie

Buffetts Botschaft ist klar – auch wenn er sie gewohnt nüchtern verpackt: Der Markt ist ihm derzeit zu hoch bewertet, die Zinsen und Inflation machen ihm Sorgen, und er sieht im Bankensystem strukturelle Risiken, die nicht unterschätzt werden sollten. Wer auf einen baldigen Großeinstieg des legendären Investors hofft, muss warten – Buffett kauft nicht in jedem Markt. Er wartet auf den richtigen Moment.


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