Am 14. Oktober legt Bank of America (BAC) ihre Zahlen für das dritte Quartal vor. Die Veröffentlichung ist für etwa 6:45 Uhr New Yorker Zeit geplant, die Telefonkonferenz für 8:30 Uhr. In deutscher Zeit ist das 12:45 bzw. 14:30 Uhr. Die Ausgangslage ist widersprüchlich: Das Geschäft läuft so gut wie seit Jahren nicht, die Aktie hat aber binnen eines Monats rund 13 % verloren.
Der Kurs: Rücksetzer nach starkem Lauf
Am 12. Oktober kostete die Aktie rund 54,60 USD. Damit lag sie etwa 16 % unter ihrem Hoch vom August. Seit Jahresbeginn steht sie damit ungefähr bei null und liegt klar hinter dem S&P 500. Über drei Jahre hat sich der Wert dagegen inklusive Dividenden mehr als verdoppelt.
Für den Rückgang gibt es drei Gründe:
- Gedämpfter Ausblick: Moynihans Warnung vor schwächeren Investmentbanking-Gebühren hat die Erwartungen für das dritte Quartal gesenkt.
- Zinsumfeld: Große Brokerhäuser rechnen nach überraschend hohen Inflationsdaten mit Zinserhöhungen der Fed. Höhere langfristige Renditen senken den Marktwert des großen Anleiheportfolios der Bank.
- Branchenstimmung: Der gesamte US-Bankensektor stand unter Druck.
Was bedeuten die Buchverluste? BAC hält einen großen Bestand an US-Staatsanleihen und hypothekenbesicherten Papieren, die überwiegend bis zur Fälligkeit gehalten werden. Bei steigenden Zinsen fällt ihr Marktwert. Daraus entstehen nicht realisierte Verluste im hohen zweistelligen Milliardenbereich. Diese Verluste werden erst real, wenn die Papiere vor Fälligkeit verkauft werden müssten, was bei BAC derzeit nicht absehbar ist. Sie binden aber Kapital, das sonst höher verzinst angelegt werden könnte, und machen Anleger nervös.
Das Geschäft: Rekordquartal im Sommer
| Kennzahl Q2 2026 | Wert | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Umsatz | 31,6 Mrd. USD | +15 % |
| Nettogewinn | 9,1 Mrd. USD | +27 % |
| Gewinn je Aktie | 1,21 USD | +34 % (Erwartung: 1,13) |
| Nettozinsertrag | 16,0 Mrd. USD | +9 % |
| Investmentbanking-Gebühren | 2,1 Mrd. USD | +50 % |
| Eigenkapitalrendite (ROE) | 12,7 % | |
| Rendite (*) auf materielles Eigenkapital (ROTCE) | 17,0 % | +3,4 Prozentpunkte |
| Effizienzquote | 59 % | verbessert |
| Harte Kernkapitalquote (CET1) | 11,2 % | |
| Buchwert je Aktie | 39,34 USD | +7 % |
Quelle für die Kennzahlen: BAC-Präsentation zum Q2 2026. Die Erwartung beim Gewinn je Aktie lag bei 1,13 USD.
Kurz erklärt:
- Gewinn je Aktie wächst schneller als der Gewinn. Das liegt an den Aktienrückkäufen. Die Zahl der ausstehenden Aktien sank binnen eines Jahres von 7,44 auf 7,02 Milliarden.
- Effizienzquote 59 %: Von jedem Dollar Ertrag gehen 59 Cent für Kosten drauf. Weniger ist besser.
- ROTCE 17 %: Die Rendite (*) auf das Eigenkapital ohne Firmenwerte und immaterielle Werte. Für eine Großbank ist das ein starker Wert.
- Nettozinsspanne: Die Zinsmarge stieg um 14 Basispunkte auf 2,08 %. Ein wichtiger Treiber: Alte, niedrig verzinste Anleihen laufen aus und werden zu höheren Zinsen neu angelegt.
Kreditqualität: Sie ist robust. Risikovorsorge und Nettoabschreibungen lagen jeweils bei 1,4 Mrd. USD, beide unter dem Vorjahreswert. Bei Kreditkarten gingen Ausfälle und Zahlungsverzüge sowohl zum Vorjahr als auch zum Vorquartal zurück.
Der Ausblick: Kernbank stark, Kapitalmarkt kühlt ab
Zinsgeschäft: Das Management hat seine Prognose zweimal angehoben. Im Januar lag die erwartete Wachstumsspanne beim Nettozinsertrag noch bei 5–7 %, im April bei 6–8 %. Inzwischen wird das obere Ende dieser Spanne erwartet.
Operating Leverage: Das bedeutet, dass die Erträge schneller wachsen als die Kosten. Für 2026 erwartet das Management hier 300 bis 400 Basispunkte, nach zuvor mehr als 200.
Schwachstelle Kapitalmarkt: Im Investmentbanking ist nach dem Rekordquartal ein Rückgang zu erwarten. Den Handelsumsatz sieht Moynihan etwa auf dem Niveau des Vorjahresquartals von 5,4 Mrd. USD. Die Deal-Pipeline bezeichnete er zugleich als gut gefüllt, und die Kreditqualität sei so gut wie lange nicht.
Personalabgänge: Im August verlor die Bank mehrere Top-Leute im Investmentbanking. Co-Chef Mike Joo ging; es war der vierte prominente Abgang innerhalb einer Woche. Ein Morningstar-Analyst sieht darin aber keinen Grund zur Sorge, weil Abwerbungen bei vollen Pipelines üblich seien.
Erwartung für Q3: Analysten rechnen mit etwa 1,11 bis 1,17 USD Gewinn je Aktie und rund 30,6 bis 31 Mrd. USD Umsatz. Im Vorjahresquartal waren es 1,06 USD je Aktie und 28,09 Mrd. USD Umsatz. Das wäre weiterhin ein Wachstum, aber deutlich langsamer als im Frühjahr.
Dividende und Rückkäufe
Die Quartalsdividende beträgt seit September 0,32 USD, ein Plus von 14 %. Aufs Jahr gerechnet sind das 1,28 USD, beim aktuellen Kurs also rund 2,3 % Rendite (*). Etwa 28–30 % des Gewinns werden als Dividende ausgeschüttet. Damit ist die Dividende gut gedeckt.
Im ersten Halbjahr kaufte BAC für 13,2 Mrd. USD eigene Aktien zurück und zahlte 4 Mrd. USD Dividende. Aus dem laufenden Rückkaufprogramm über 40 Mrd. USD standen Ende Juni noch rund 17 Mrd. USD zur Verfügung.
Bewertung
- Kurs-Gewinn-Verhältnis: rund 12,5 auf Basis der letzten zwölf Monate und gut 10 auf Basis der erwarteten Gewinne.
- Kurs-Buchwert-Verhältnis: rund 1,4. Gemessen am materiellen Buchwert sind es etwa 1,9. Für eine Bank mit 17 % ROTCE ist das angemessen, aber kein Schnäppchen.
- Analystenkursziele: Der Durchschnitt liegt bei etwa 66 USD, also gut 20 % über dem aktuellen Kurs. Zuletzt wurden die Ziele aber gesenkt. Evercore ISI senkte am 1. Oktober von 67 auf 62 USD, Truist von 65 auf 62 USD.
Szenarien für die Zahlen
Positiv: Ein Gewinn deutlich über 1,17 USD je Aktie, eine bestätigte Zinsertragsprognose, ein zuversichtlicher Ausblick fürs vierte Quartal und stabile Kreditqualität. Dann ist eine Erholung in Richtung 58–60 USD denkbar.
Negativ: Ein Gewinn unter 1,05 USD, ein schwacher Ausblick für das Kapitalmarktgeschäft oder weiter steigende langfristige Zinsen. Dann droht ein Rückfall unter 50 USD.
Optionen: Was zur Lage passt
- Calls direkt vor den Zahlen: riskant. Nach den Zahlen fällt die Schwankungsprämie in den Optionspreisen, und eine moderate Kursbewegung reicht oft nicht aus, um das auszugleichen.
- Long-Call mit längerer Laufzeit: für Optimisten die bessere Wahl, und zwar nach den Zahlen, wenn diese überzeugt haben.
- Cash-Secured Put mit Basis um 50 USD: Man kassiert eine Prämie und kauft die Aktie günstiger, falls sie fällt. Das lohnt sich nur, wenn man BAC zu diesem Preis ohnehin halten möchte.
- Gedeckte Calls: Sie sind eine Strategie für Seitwärtsphasen, nicht für Optimisten. Sinnvoll sind sie eher nach einer Erholung in Richtung 60 USD, weil sie nach einem Rücksetzer das Erholungspotenzial deckeln.
Fazit
Bank of America ist operativ in sehr guter Verfassung: wachsende Zinserträge, steigende Effizienz, solide Kreditqualität, hohes Kapital und großzügige Ausschüttungen. Der Kursrückgang spiegelt vor allem Zinssorgen und die Abkühlung im Kapitalmarktgeschäft nach einem Ausnahmequartal wider. Ein Einbruch im Kerngeschäft steckt nicht dahinter.
Für langfristige Anleger kann der Bereich 50–52 USD eine Zone für schrittweise Käufe sein. Ein aggressiverer Einstieg wäre bei 47–48 USD denkbar, sofern sich die Fundamentaldaten nicht verschlechtern. Kurzfristig orientierte Anleger halten Positionen vor den Zahlen besser klein oder warten auf die Bestätigung. Eine Absicherung knapp unter dem 52-Wochen-Tief von rund 46 USD begrenzt das Risiko. Teilgewinne bieten sich im Bereich 60–62 USD an.
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