Die Optionsstrategie Bull Call Spread

Mit begrenztem Einsatz von moderat steigenden Kursen profitieren


Übersicht und Definition

Der Bull Call Spread ist eine klassische Optionsstrategie, die bei einer moderat positiven Markterwartung eingesetzt wird.
Sie besteht aus zwei Optionspositionen auf denselben Basiswert mit identischer Laufzeit:

  • Long Call: Kauf einer Call-Option mit niedrigerem Basispreis (Strike).
  • Short Call: Verkauf einer Call-Option mit höherem Basispreis (Strike).

Ziel der Strategie ist es, von einem Kursanstieg des Basiswerts zu profitieren, während das Verlustrisiko und auch das Gewinnpotenzial klar begrenzt bleiben.


Aufbau und Funktionsweise

  1. Einstieg:
    • Zunächst wird ein Call mit niedrigerem Strike gekauft.
    • Gleichzeitig wird ein Call mit höherem Strike verkauft.
  2. Netto-Prämie (Debit):
    Da die gekaufte Option meist teurer ist als die verkaufte, entsteht eine Nettokostenbelastung. Diese gezahlte Prämie entspricht dem maximal möglichen Verlust.
  3. Ertragsstruktur:
    • Maximaler Gewinn: Differenz zwischen den Strikes abzüglich der gezahlten Nettoprämie.
    • Maximaler Verlust: Die gezahlte Nettoprämie.
    • Break-even-Point: Niedrigerer Strike + gezahlte Nettoprämie.

Das Gewinn-Verlust-Profil lässt sich durch ein typisches Payoff-Diagramm veranschaulichen: ein begrenzter Verlustbereich nach unten, ein begrenzter Gewinnbereich nach oben.


Beispielrechnung

Aktie ABC notiert aktuell bei 90 €:

  • Kauf eines Calls mit Strike 100 €, gezahlte Prämie: 2 €
  • Verkauf eines Calls mit Strike 120 €, vereinnahmte Prämie: 0,5 €
  • Gesamtkosten (Debit): 2 € – 0,5 € = 1,5 € pro Aktie

Mögliche Szenarien:

  • Kurs < 100 €: Beide Optionen verfallen wertlos → Verlust = 1,5 € pro Aktie.
  • Kurs zwischen 100 € und 120 €: Long Call hat inneren Wert, Short Call verfällt → Gewinn = (Kurs – 100 € – 1,5 €).
  • Kurs ≥ 120 €: Beide Calls sind im Geld → Maximaler Gewinn = (120 € – 100 €) – 1,5 € = 18,5 € pro Aktie.

Vorteile

  • Begrenztes Risiko: Verlust maximal = gezahlte Nettoprämie.
  • Kostenreduktion: Durch den Short Call sind die Einstiegskosten geringer als bei einem nackten Long Call.
  • Klar kalkulierbarer Gewinn: Maximales Gewinnpotenzial lässt sich exakt vorab bestimmen.
  • Überschaubare Komplexität: Im Vergleich zu komplexeren Spreads auch für Anleger mit ersten Optionskenntnissen geeignet.

Nachteile und Risiken

  • Begrenzter Gewinn: Steigt der Kurs stark über den Short-Strike hinaus, profitieren Sie nicht weiter.
  • Zeitwertverlust (Theta): Bleibt die erwartete Bewegung aus, verliert die Long-Position stetig an Wert.
  • Frühzeitige Ausübung (bei amerikanischen Optionen): Besonders bei Dividendenzahlungen kann der Short Call vorzeitig gezogen werden.
  • Management-Aufwand: Zwei Positionen erfordern Aufmerksamkeit, vor allem kurz vor Fälligkeit.

Strategische Überlegungen

  • Geeignet für Anleger, die einen moderaten Anstieg erwarten, nicht aber eine massive Rallye.
  • Break-even-Point liegt näher am aktuellen Kurs als beim nackten Long Call, was die Chance auf Gewinn verbessert.
  • Typische Laufzeiten: 30 bis 60 Tage, da hier das Verhältnis von Zeitwert und Kursbewegung günstig ist.
  • Sinnvoll in Märkten mit seitwärts bis leicht steigender Tendenz, da die Kosten durch den Short Call niedriger sind.

Varianten und Alternativen

  • Vertical Spreads: Der Bull Call Spread gehört zur Gruppe der Vertical Spreads (gleiche Laufzeit, unterschiedliche Strikes).
  • Alternative Strategie: Ein Bull Put Spread verfolgt dasselbe Marktszenario (moderater Kursanstieg), nutzt jedoch Puts. Der wesentliche Unterschied: Während der Bull Call Spread eine Nettoausgabe erfordert, kann der Bull Put Spread eine Nettoeinzahlung (Credit) generieren, trägt dafür aber andere Risiken.

Fazit und Expertenhinweise

Der Bull Call Spread ist eine bewährte Strategie für Anleger mit moderat bullisher Einschätzung.

  • Er reduziert die Kosten im Vergleich zu einem reinen Long Call.
  • Verluste sind klar begrenzt, Gewinne ebenso.
  • Besonders für Einsteiger oder risikoaffine Anleger geeignet, die erste Schritte im Optionshandel machen wollen.

Erweiterung für Fortgeschrittene:

  • Die Wahl des Strike-Abstands kann die Strategie stärker konservativ (engere Spanne, geringere Gewinne, aber höhere Eintrittswahrscheinlichkeit) oder offensiver (größere Spanne, höheres Gewinnpotenzial, aber geringere Eintrittswahrscheinlichkeit) gestalten.
  • Auch die Restlaufzeit der Optionen sollte bewusst gewählt werden: Kürzere Laufzeiten bieten höhere Theta-Effekte, längere Laufzeiten geben mehr Zeit für die erwartete Bewegung.

Praxis-Tipp

  • Dividendentermine im Blick behalten: Vor allem bei amerikanischen Optionen kann es sinnvoll sein, den Short Call vorzeitig zu schließen.
  • Laufende Überwachung: Regelmäßiges Prüfen der Optionspreise, impliziten Volatilität und Restlaufzeit hilft, Verluste zu vermeiden und Erträge zu optimieren.
  • Anpassung: Sollte sich die Markterwartung ändern, kann der Spread aktiv angepasst oder durch Rollen in eine neue Laufzeit optimiert werden.

Haftungsausschluss und Risikohinweis

Die in diesem Artikel enthaltenen Analysen und Informationen basieren auf Quellen, die ich für zuverlässig halte. Trotz sorgfältiger Prüfung erfolgt die Weitergabe dieser Angaben ohne Gewähr.

Jede Entscheidung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten liegt in der alleinigen Verantwortung des Lesers. Der Handel mit Optionen ist mit erheblichen Risiken verbunden. Vergangene Erträge bieten keine Garantie für zukünftige Gewinne. Beim spekulativen Handel mit Optionen kann es zu einem vollständigen oder teilweisen Verlust des eingesetzten Kapitals kommen.

Ich übernehme keine Haftung für Vermögensschäden, die dadurch entstehen, dass die Inhalte dieses Artikels als Grundlage für eigene Anlageentscheidungen herangezogen werden. Handeln Sie nur mit Kapital, dessen Verlust Sie sich leisten können. Machen Sie sich mit sämtlichen Risiken des Finanzhandels vertraut.

Stillhaltergeschäfte können zu Nachschusspflichten führen – also zu Verlusten, die über das ursprünglich eingesetzte Kapital hinausgehen. Es wird daher ausdrücklich davon abgeraten, Anlagegelder auf wenige Empfehlungen zu konzentrieren oder Investitionen mit Krediten zu finanzieren.

Der Anteil einzelner Optionskontrakte sollte 10 % des für den Optionshandel vorgesehenen Kapitals nicht überschreiten. Für die Teilnahme am Optionshandel ist die Börsentermingeschäftsfähigkeit erforderlich.

Die in diesem Artikel dargestellten Finanzanalysen ersetzen keine individuelle Anlageberatung und stellen keine Anlageberatung im Sinne des § 32 KWG dar.

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