Covered Calls im Geld – Depot-Schutz mit 2-stelligen Renditechancen

Stell dir vor, du besitzt ein breit gestreutes Depot mit Qualitätsaktien, das dich auch dann schützt, wenn die Märkte 15 % bis 25 % nach unten rauschen – und gleichzeitig hast du die Chance, zweistellige Renditen zu erzielen. Klingt fast zu schön, um wahr zu sein? Mit der Strategie des Covered Calls im Geld ist genau das möglich.


Warum überhaupt Covered Calls?

Wir alle wissen: Märkte bewegen sich nicht linear nach oben. Ob die nächste Korrektur morgen, in drei Monaten oder erst im nächsten Jahr kommt, weiß niemand. Klassische Buy-and-Hold-Anleger laufen Gefahr, in Phasen erhöhter Volatilität nur zuzusehen, wie ihre Depots an Wert verlieren.

Covered Calls – also das Kombinieren von Aktienkäufen mit dem Verkauf von Call-Optionen – bieten dir dagegen ein Mittel, Schwankungen abzufedern und dennoch Renditen einzufahren. Besonders interessant wird es, wenn du dich für im Geld liegende Calls (ITM-Calls) entscheidest.


Das Prinzip: Covered Call im Geld

Die Strategie setzt sich aus zwei Bausteinen zusammen:

  1. Kauf einer Aktie (oder eines anderen geeigneten Basiswerts), die du für solide hältst und mindestens mittelfristig im Depot behalten willst.
  2. Verkauf einer Call-Option, deren Basispreis (Strike) deutlich unterhalb des aktuellen Aktienkurses liegt.

👉 Je tiefer die Option im Geld liegt, desto größer ist dein Sicherheitspuffer – dafür sinkt aber die mögliche Rendite. Hier liegt die Kunst: ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Risiko und Gewinnpotenzial zu finden.

Wenn du die Call-Option verkaufst, erhältst du eine Prämie, die sofort deinem Konto gutgeschrieben wird. Diese Prämie setzt sich aus innerem Wert (Differenz zwischen Kurs und Strike) und Zeitwert zusammen. Gerade in Phasen hoher Volatilität ist der Zeitwert überdurchschnittlich hoch, was dir zugutekommt.


Was passiert, wenn die Aktie fällt oder steigt?

  • Wenn die Aktie fällt: Dein Aktienwert sinkt, aber die verkaufte Call-Option verliert an Wert. Du kannst sie günstiger zurückkaufen und sicherst dir so einen Gewinn. Dein Puffer reicht je nach gewähltem Strike 15 % bis 25 % nach unten.
  • Wenn die Aktie steigt: Dein Gewinn ist auf den Strike plus Prämie gedeckelt. Du verzichtest also auf sehr starke Kursgewinne. Dafür hast du aber dein Sicherheitsnetz – und gerade in volatilen Märkten ist das mehr wert als ein „vielleicht höherer“ Gewinn.

Konkretes Beispiel: Covered Call auf Mosaic Company (MOS)

  • Aktienkauf: 100 Aktien MOS zu 32,55 $
  • Call-Verkauf: Strike 30 $, Laufzeit bis 16. Januar 2026
  • Prämie: 4,20 $ je Aktie = 420 $ Gesamterlös

Kennzahlen der Position:

  • Einstiegskosten: 32,55 $ × 100 = 3.255 $
  • Abzüglich Prämie: 420 $
  • Effektiver Einstieg: 28,35 $ je Aktie
  • Sicherheitsnetz: ca. 19 % Kursrückgang bis Break-even
  • Maximaler Gewinn: 165 $ = ca. 5,8 % in 5 Monaten → auf Jahresbasis ca. 14,7 %
  • Gewinnwahrscheinlichkeit laut Optionspreismodell: ~77 %

Damit verbindest du Rendite mit einer klar kalkulierbaren Risikoabsicherung – ein konservativ-bullischer Ansatz.


Alternative: Kurzfristige Calls

Du kannst dieselbe Strategie auch mit Optionen von 1 bis 3 Monaten Laufzeit umsetzen. Vorteil: Du kassierst öfter Prämien, die Summe kann am Ende höher sein. Nachteil: Dein Aufwand steigt, du musst aktiver handeln und mehr Transaktionskosten zahlen. Für Berufstätige oder Vielbeschäftigte ist daher die langfristige Variante oft entspannter.


Risiken und wie du damit umgehst

Auch diese Strategie ist nicht risikofrei:

  • Fällt die Aktie stark unter den Break-even, musst du überlegen, ob du die Position weiter verteidigst. Klassische Methode: Rollen. Du kaufst die bestehende Option zurück und verkaufst sofort eine neue mit längerer Laufzeit und eventuell niedrigerem Strike. So senkst du deine Gewinnschwelle.
  • Steigt die Aktie stark, entgeht dir ein Teil des Aufwärtspotenzials. Doch durch die vereinnahmte Prämie plus Dividenden bist du oft trotzdem besser gestellt, als wenn du die Aktie „nackt“ gehalten hättest.

Auswahl geeigneter Aktien

Welche Basiswerte eignen sich besonders?

  • Fundamental solide Unternehmen, die mittelfristig stabile oder leicht steigende Kurse erwarten lassen.
  • Aktien mit hoher Dividende – zusätzliche Einnahmen unabhängig vom Kursverlauf.
  • Hohe Liquidität im Optionshandel (mindestens 10.000 Kontrakte täglich), damit du enge Spreads und faire Preise bekommst.
  • Einstieg an mehrwöchigen oder mehrmonatigen Tiefs – hier ist die implizite Volatilität hoch und die Prämien für dich am attraktivsten.

Fazit: Covered Calls im Geld als defensive Renditestrategie

Mit Covered Calls im Geld kannst du selbst in schwachen oder seitwärts laufenden Märkten profitabel bleiben. Du verzichtest zwar auf unbegrenzte Kursgewinne, erhältst aber ein attraktives Sicherheitsnetz gegen Kursrückgänge und regelmäßig zweistellige Jahresrenditen – ein klarer Vorteil in Zeiten unsicherer Börsen.

Statt bei ersten Marktschwächen panisch zu verkaufen, nutzt du mit dieser Strategie Schwankungen zu deinem Vorteil. So bleibst du investiert, kassierst Dividenden und Optionsprämien und sicherst dir planbare Erträge.

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