Investieren wie ein Vermieter – regelmäßig Einkommen mit Aktien erzielen
Viele Anleger kennen diese Situation:
Man besitzt gute Aktien, möchte sie langfristig halten – aber monatelang passiert… nichts. Der Kurs bewegt sich seitwärts, es gibt keine großen Sprünge nach oben, aber verkaufen möchte man eigentlich auch nicht.
Genau hier kommt eine der beliebtesten Einkommensstrategien aus dem Optionshandel ins Spiel: der Covered Call.
Die Grundidee: Aktien „vermieten“
Stellen Sie sich vor, Sie besitzen eine Wohnung.
- Die Wohnung besitzen Sie bereits.
- Jeden Monat kassieren Sie Miete.
- Dafür geben Sie jemand anderem das Recht, die Wohnung für eine bestimmte Zeit zu nutzen.
Ein Covered Call funktioniert ganz ähnlich:
- Sie besitzen bereits 100 Aktien eines Unternehmens
- Sie verkaufen eine Call-Option auf genau diese Aktien
- Sie erhalten sofort Geld (die Optionsprämie)
- Im Gegenzug verpflichten Sie sich, die Aktien zu einem festgelegten Preis zu verkaufen, falls der Kurs stark steigt
Die erhaltene Prämie ist Ihre „Miete“.
Was ist eine Call-Option – ganz kurz erklärt
Eine Call-Option gibt dem Käufer das Recht (nicht die Pflicht),
- eine Aktie
- zu einem festen Preis (dem Ausübungspreis / Strike)
- bis zu einem bestimmten Datum
zu kaufen.
Als Verkäufer dieser Option erhalten Sie Geld im Voraus, übernehmen aber eine Verpflichtung.
Wann ist ein Covered Call sinnvoll?
Ein Covered Call eignet sich besonders gut, wenn:
- Sie seitwärts oder leicht steigende Kurse erwarten
- Sie die Aktie ohnehin halten möchten
- Sie zusätzliches Einkommen erzielen wollen
- die implizite Volatilität moderat erhöht ist (Optionsprämien sind dann attraktiver)
Nicht geeignet ist die Strategie, wenn Sie mit einer starken Kursexplosion nach oben rechnen.
Der große Vorteil: sofortiger Cashflow
Sobald Sie den Call verkaufen:
- erhalten Sie sofort Bargeld
- senken effektiv Ihren Einstandspreis
- haben einen kleinen Puffer gegen Kursverluste
Ihre Aktie wird von einem „passiven“ Investment zu einer Cashflow-Maschine.
Wo liegt der Haken? (Ganz wichtig!)
Der Preis für dieses Einkommen ist ein Kompromiss:
Ihr Gewinn nach oben ist begrenzt.
Wenn der Aktienkurs stark über den Ausübungspreis steigt,
müssen Sie die Aktie zu diesem Preis verkaufen – auch wenn sie am Markt viel mehr wert ist.
Merksatz:
Verkaufen Sie niemals einen Covered Call auf eine Aktie, von der Sie sich zu diesem Preis nicht trennen wollen.
Praktisches Beispiel: Call mit Procter & Gamble (PG)
Ausgangslage
- Sie besitzen 100 PG-Aktien
- Kaufpreis: 152 $
- Aktueller Kurs: 152 $
- Erwartung: Kein starker Anstieg im nächsten Monat
Schritt 1: Den passenden Ausübungspreis wählen
Ein Blick auf den Chart zeigt:
- Widerstand bei 160 $
Das ist ein sinnvoller Preis, um die „Miete festzulegen“.
Schritt 2: Call-Option verkaufen
- Laufzeit: 30 Tage
- Ausübungspreis: 160 $
- Prämie: 2,50 $ pro Aktie
Ergebnis:
- 250 $ Gutschrift sofort
- Neuer effektiver Einstandspreis:
149,50 $ (152 – 2,50)
Was passiert am Ende der Laufzeit?
| PG-Kurs bei Fälligkeit | Ergebnis |
|---|---|
| Unter 160 $ | Sie behalten die Aktien und die 250 $. |
| Genau 160 $ | Maximaler Gewinn erreicht. |
| Über 160 $ | Aktien werden zu 160 $ verkauft – Gewinn ist begrenzt, aber sicher. |
Maximaler Gewinn in diesem Beispiel
- Kursgewinn: 8 $ pro Aktie
- Prämie: 2,50 $
- Gesamt: 10,50 $ pro Aktie = 1.050 $
Ein vorher definiertes, planbares Ergebnis.
Warum viele Anleger diese Strategie lieben
- Monatlich wiederholbar
- Regelmäßiges Einkommen
- Reduziert (leicht) das Verlustrisiko
- Klare Regeln statt Spekulation
Covered Calls sind besonders beliebt bei Anlegern, die denken wie Unternehmer oder Vermieter, nicht wie Zocker.
Die wichtigsten Kennzahlen – einfach erklärt
- Maximaler Gewinn:
Begrenzt (Strike – Kaufpreis + Prämie) - Maximales Risiko:
Wie beim normalen Aktienbesitz – abzüglich der Prämie - Break-even:
Kaufpreis – erhaltene Prämie - Zeit arbeitet für Sie (Theta):
Jeder Tag lässt die Option an Wert verlieren - Volatilität arbeitet für Sie (Vega negativ):
Sinkende Volatilität ist gut für den Verkäufer
Management der Position
- Option verfällt wertlos:
→ Nächsten Monat neuen Call verkaufen - Aktie steigt stark, Sie wollen sie behalten:
→ Call zurückkaufen und auf höheren Strike/Termin rollen
Fazit
Der Covered Call ist keine Strategie für schnelle Gewinne,
sondern für kontrolliertes, planbares Einkommen.
Sie tauschen unbegrenztes Aufwärtspotenzial gegen Sicherheit, Cashflow und Klarheit.
Oder anders gesagt:
Sie investieren nicht wie ein Spieler – sondern wie ein Vermieter.




