Der Bull Put Spread (Credit Spread)

Der Bull Put Spread ist eine Optionsstrategie für Anleger, die davon ausgehen, dass eine Aktie nicht stark fallen wird. Sie ist besonders beliebt nach einem kräftigen Kursrückgang („Dip“), wenn viele Marktteilnehmer nervös sind und die Optionsprämien gestiegen sind.

In diesem Artikel lernst du:

  • Was ein Bull Put Spread ist
  • Wie man ihn aufbaut
  • Wie Gewinn und Risiko berechnet werden
  • Warum er statistisch oft sinnvoll sein kann
  • Wie man ihn richtig managt

1. Die Grundidee: Geld verdienen, wenn die Aktie NICHT fällt

Stell dir vor, eine Aktie ist stark gefallen und erreicht nun ein Unterstützungsniveau – also einen Kursbereich, bei dem sie in der Vergangenheit mehrfach nach oben gedreht hat.

Beispiel:
Oracle fällt auf 150 $. Dieser Bereich war schon ein stabiler Boden. Nun erholt sich die Aktie leicht.

Die Überlegung lautet:

„Ich glaube nicht, dass die Aktie deutlich unter 150 $ fallen wird.“

Statt nun die Aktie zu kaufen oder spekulative Calls zu erwerben, nutzt du eine Strategie, bei der du Prämie kassierst, solange die Aktie über einem bestimmten Niveau bleibt.

Das ist der Bull Put Spread.


2. So funktioniert der Bull Put Spread

Ein Bull Put Spread besteht aus zwei gleichzeitigen Geschäften:

  1. Verkauf eines Puts (höherer Strike)
  2. Kauf eines Puts (niedrigerer Strike)

Beide Optionen haben:

  • dasselbe Verfallsdatum
  • denselben Basiswert

Beispiel mit Oracle (ORCL)

Aktueller Kurs: 152 $
Unterstützung: 150 $

Du eröffnest folgenden Spread:

  • Verkauf des 150$ Puts → du erhältst 2,20 $
  • Kauf des 145$ Puts → du zahlst 0,70 $

Nettogutschrift (Credit)

2,20 $ – 0,70 $ = 1,50 $

Du erhältst also sofort 150 $ pro Kontrakt (1 Kontrakt = 100 Aktien).

Diese 150 $ sind dein maximaler Gewinn.


3. Gewinn, Risiko und Break-even

Maximaler Gewinn

= Erhaltene Nettogutschrift
= 1,50 $ × 100
= 150 $

Du erzielst diesen Gewinn, wenn die Aktie am Verfallstag über 150 $ schließt.


Maximales Risiko

Differenz der Strikes:

150 $ – 145 $ = 5 $

Davon ziehst du die erhaltene Prämie ab:

5 $ – 1,50 $ = 3,50 $

Maximales Risiko pro Aktie = 3,50 $
Pro Kontrakt = 350 $

👉 Du riskierst 350 $, um 150 $ zu verdienen.


Gewinnschwelle (Break-even)

Short Strike – Prämie

150 $ – 1,50 $ = 148,50 $

Oberhalb von 148,50 $ machst du Gewinn.
Darunter entsteht ein Verlust.


4. Warum gilt die Strategie als „wahrscheinlichkeitsstark“?

Ein Bull Put Spread bietet drei Gewinnmöglichkeiten:

Die Aktie kann:

  • 📈 steigen
  • ➡️ seitwärts laufen
  • 📉 leicht fallen (solange sie über 150 $ bleibt)

Im Gegensatz zu einem Call-Kauf brauchst du also keinen starken Kursanstieg.


5. Der statistische Vorteil: Die „Angstprämie“

Nach starken Kursrückgängen steigt oft die sogenannte implizite Volatilität (IV).

Das bedeutet:

  • Anleger haben Angst vor weiteren Verlusten.
  • Put-Optionen werden teurer.
  • Die Prämien steigen.

Da du beim Bull Put Spread einen Put verkaufst, kassierst du diese erhöhte „Angstprämie“.

Zusätzlich profitierst du von:

Positivem Theta (Zeitwertverfall)

Jeden Tag verliert die Option an Zeitwert.
Als Verkäufer profitierst du davon.

Negativem Vega

Wenn sich die Marktangst beruhigt und die Volatilität sinkt, wird dein Spread günstiger – gut für dich.


6. Wann ist die Strategie ideal?

Ein Bull Put Spread eignet sich besonders:

  • Nach einem starken Marktrückgang
  • Bei einer Aktie auf starkem Unterstützungsniveau
  • Wenn die implizite Volatilität erhöht ist
  • Bei neutraler bis leicht bullisher Markterwartung

7. Das richtige Management

Eine gute Strategie ist nur so gut wie ihr Risikomanagement.

1. Gewinne früh mitnehmen

Viele erfahrene Trader schließen Credit Spreads, wenn sie ca. 70 % des maximalen Gewinns erreicht haben.

In unserem Beispiel:

Maximaler Gewinn = 1,50 $
70 % = 1,05 $

Sobald du den Spread für gut 1,00 $ zurückkaufen kannst, nimmst du den Gewinn mit.

Warum?
Das Restrisiko kurz vor Verfall ist oft höher als die verbleibende Gewinnchance.


2. Stop-Loss-Regel

Wenn die Aktie deutlich unter das Unterstützungsniveau fällt, ist deine ursprüngliche Annahme falsch.

Dann heißt es:

Lieber kleiner, kontrollierter Verlust als große Katastrophe.


3. Rollen (Roll-Over)

Falls die Aktie leicht unter Druck gerät, kannst du:

  • Den aktuellen Spread zurückkaufen
  • Einen neuen Spread mit niedrigeren Strikes
  • Und längerer Laufzeit verkaufen

So gibst du der Aktie mehr Zeit zur Erholung – oft gegen zusätzliche Prämie.

Aber: Rollen ersetzt keinen Stop-Loss.


8. Zusammenfassung der Strategie

MerkmalBeschreibung
MarktausblickNeutral bis leicht bullish
ZielAktie bleibt über dem Short-Strike
Maximaler GewinnErhaltene Nettogutschrift
Maximales Risiko(Strike-Differenz – Credit) × 100
Break-evenShort-Strike – Credit
VorteilHohe Wahrscheinlichkeit, Zeitwert arbeitet für dich
HauptgewinnfaktorTheta (Zeitwertverfall)
RisikoStarker Kurssturz unter Unterstützung

9. Für wen ist der Bull Put Spread geeignet?

Geeignet für:

  • Anleger mit Grundkenntnissen in Optionen
  • Trader, die Einkommen durch Prämien erzielen wollen
  • Anleger, die Wahrscheinlichkeiten bevorzugen statt Spekulation

Nicht geeignet für:

  • Absolute Optionsanfänger ohne Risikoverständnis
  • Trader ohne klaren Stop-Plan
  • Märkte im starken Abwärtstrend

Fazit

Der Bull Put Spread ist eine kontrollierte, einkommensorientierte Optionsstrategie mit begrenztem Risiko.

Du wirst dafür bezahlt, optimistisch zu sein –
und du brauchst keinen starken Kursanstieg, um zu gewinnen.

Richtig eingesetzt, besonders nach Marktrückgängen mit erhöhter Volatilität, kann er eine statistisch vorteilhafte Methode sein, um Dips zu handeln.

Wichtig ist jedoch:

✔ Klare technische Grundlage (Unterstützung)
✔ Fester Gewinnmitnahmeplan
✔ Disziplinierter Stop-Loss

Dann wird aus einer Option kein Glücksspiel – sondern ein kalkulierter Wahrscheinlichkeitsvorteil.

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